Trend: Ton in Ton total

Totally tonal ist aktuell unübersehbar, wenn sich der Design affine Mensch beim Stöbern auf Moodboard-Plattformen oder beim Blättern in Imagekatalogen diverser Hersteller die Zeit vertreibt. Im Fashion und Interior Design Bereich finden sich derzeit unzählige streng monochrome Konzepte. Ganze Räume sehen aus, als ob sie in ein Farbbad getaucht wurden. Das wirkt für mich wohltuend reduziert und dabei magisch poetisch. Wie ist das für dich?

 

Totally tonal

Wer nur einen einzigen Farbton für eine Raumgestaltung verwenden will, braucht mitunter ein gutes Auge, Geduld und Ausdauer. Perfektionisten können sich hier ungehemmt austoben. Es ist nicht immer einfach, alles in einem bestimmten Farbton zu bekommen. Alles, was aus der Reihe tanzt, sollte dann auch konsequent verstaut werden. Ich halte ja wirklich gar nichts von Dogmen, aber in dem Fall ist es sonst einfach nicht Ton in Ton total.

Ton in Ton total ist emotional

Wenn das für dich zu viel des Guten ist, findest du vielleicht in meinem Blogbeitrag Farbdesign monochrom die ein oder andere Anregung? Wenn es für dich jedoch nicht pur genug sein kann, dann ist der totally tonal Trend vielleicht genau dein Ding? Konturen wirken dabei wie aufgehoben. Architektur, Möbel und Accessoires verschmelzen zu einer monolithischen Einheit. Je nach Farbton und Gemüt wird die Atmosphäre als friedlich still bis Hals über Kopf energetisierend empfunden werden. Auf Emotionen kannst du dich bei dieser Art von Raumgestaltung auf jeden Fall gefasst machen.

Pure Monochromie erfordert Konsequenz

Viele dieser Farbkonzepte werden noch immer mit achromatischen Farben, also Weiß, Grau oder Schwarz, umgesetzt. Strenge Farbkonzepte wie diese wirken allerdings nur bei gelebter Konsequenz richtig intensiv. Bei diesem Ansatz wirkt alles wie aus einem Guss, allerdings nur, wenn alles Unpassende versteckt wird. Kinderfreundlich ist dieser Einrichtungstrend nicht, wenn wir ehrlich sind. Und die angebrochene Chipspackung vom Vorabend stilisiert sich so definitiv noch auffallender als sonst zum ungewünschten Blickfang…

Ton in Ton pur: alles Reinweiß

Ein vollkommen reinweißer Raum wirkt pur, hoch minimalistisch und entschleunigend. Ich selbst hatte mich für eine kurze Zeit so eingerichtet, als mir alles zu viel wurde. Ich hatte alle farbigen Dinge in Vorraum und Wohnzimmer meiner Wohnung in Schränken verstaut. Am Bücherregal einfach zwei schlichte weiße Rollos montiert. Die schwarzen Vorhänge wurden gegen weiße getauscht. Das Sofa war schon aus gebleichtem Stoff. Der Teppich und die farbenfrohen  Kissen wurden weggeräumt. Die paar Stühle, die ich hatte, waren schnell auf Ebay-Kleinanzeigen verkauft und ein schwedischer Hersteller ermöglichte mir den schnellen Kauf vier neuer weißer Kunststoffstühle um sechzig Euro Gesamtpreis (inklusive Selbstmontage, hahaha). Im Vorzimmer musste ich eine Akzentwand weiß übertünchen und voilà, vor mir lag gefühlt eine leere Leinwand. Das hat mich tatsächlich schnell runter geholt.

Ton in Ton total kann überfordern

Ohne das warmtonige Fischgrätparkett (ich hätte es nicht übers Herz gebracht, es abzuschleifen und weiß zu lackieren, obwohl ich das auf Fotos oft liebe – aber dafür ist mein Putzfimmel nicht ausgeprägt genug) und unzählige Kerzen wäre es mir persönlich sicher zu steril und kalt geworden; und das im Hochsommer. Für mich Farb-Enthusiastin war das schon ein einschneidendes Erlebnis. Ein System-Reset. Eine tolle Erfahrung, letztendlich schlichen sich aber schnell wieder Farben bei mir ein. Meine Welt ist einfach eine farbige Welt…

Ton in Ton magisch: Schwarze Unendlichkeit

Wobei es mich schon manchmal reizen würde, mein kleines Schlafzimmer komplett schwarz zu gestalten. Dann könnte ich mir beim Einschlafen abwechselnd vorstellen, in einer kuscheligen Höhle zu sein oder in unendliche Weiten zu entschweben oder beides gleichzeitig!

Ton in Ton und Soft Minimal

Vor allem Pastelltöne und abgegraute Farbtöne werden aktuell gerne für Ton-in-Ton-Gestaltungen verwendet. Diese Nuancen passen hervorragend zum Soft Minimal Look. Beim Gedanken an einen ganzen Raum in erdigem Rosa (Louis Barragán lässt grüßen)1, mattem Khakigrün oder einem sanften Mauvegrau (gräuliches rosastichiges helles Violett), überkommt mich durchaus ein wohliges Gefühl. Ich glaube mit diesen Farben könnte ich auch großflächig klarkommen. Welche Farbe springt dir sofort in den Kopf?

Unterschiedliche Texturen und Glanzgrade sind wichtig

Wenn du dich auch an eine totale Ton-in-Ton-Gestaltung machen möchtest, solltest du dir vielleicht auch über unterschiedliche Texturen und unterschiedlichen Glanz Gedanken machen. Sie können dabei helfen, dass der Erlebnisraum nicht zu leblos anmutet. In einem Raum, der wirkt, als sei alles einmal mit dem Airbrush angesprüht worden, werden sich bestimmt die wenigsten auf Dauer wohlfühlen. Momentan beobachte ich mich dabei, wie ich auf Pinterest immer mehr dieser Räume pinne. Aber bei aller Augenschmeichelei am Foto, ein Moodboard ist halt doch nicht immer wie das echte Leben, oder?

Head-to-Toe-Look

Diese Erkenntnis lässt sich selbstverständlich auf jedes totally tonal Design übertragen. Egal, ob du deine Wohnung auf einen Nenner bringen willst oder du wie ich bisweilen dem angesagten Head-to-Toe-Look verfallen bist. Ich liebe es, mich ab und zu komplett in einer Farbe zu kleiden. Vielleicht liegt das daran, dass ich ziemlich klein bin und mich die optisch durchgehende Farbfläche größer wirken lässt? Mein Bruder sagt dann gerne, dass ich aussehe wie ein Kaugummi (: Und obwohl wir nun schon über fünfzehn Jahre nicht mehr zusammen wohnen und diese Sticheleien nicht ernst gemeint sind, kann ich Farbnerd es doch nicht lassen, ihm zu erklären, dass ich gerne unterschiedliche vergraute gelbstichige Rosatöne trage – Bubblegum Pink jedoch definitiv nie, weil das zu kühl ist für meinen Farbtyp. Und welche Farbe verteidigst du mit Herzblut?2+3 

Was hältst du von Ton in Ton total? Ist der Head-to-Toe-Look etwas für dich?

 

Literaturnachweis:

1 Toca Fernández, Antonio: Barragán , das Gesamtwerk, Birkhäuser, Basel, 1996, 183ff.
2 Zimmer, Juliane; Zuber, Anne: Schöner Wohnen, Das große Wohnbuch, Callwey, München, 2014, S. 65
3 Oliver, David: Farbe und Raum, Das Handbuch für effektvolle Farbwirkung, DVA, München, 2008, S. 115ff.

Alina Schartner

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