7 schnelle Atmosphäre-Retter

Unsere Umgebung beeinflusst unser Wohlbefinden maßgeblich. Manche Räume sind schon alleine aufgrund ihrer Architektur oder ihres Ausblicks so wunderbar, dass sie uns ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Andere wirken dagegen durchschnittlich bis ungemütlich. Gemütlichkeit ist ein sehr subjektiver Begriff und manche Dinge können wir einfach nicht ändern, wenn es an Zeit oder finanziellen Mitteln mangelt. Deshalb die Gegebenheiten unreflektiert hinzunehmen, wäre jedoch der falsche Ansatz. Glücklicherweise gibt es einige einfache Atmosphäre-Retter. Diese Atmosphäre-SOS-Checkliste lässt sich auch bei wenig Zeit und Schmalspurbudget abhaken!

 

Mit Licht lässt sich die Atmosphäre am schnellsten verändern

Einfach mal den Hauptlichtschalter ausmachen. Eine mittig im Raum platzierte Deckenleuchte sorgt in den seltensten Fällen für eine Wohlfühlatmosphäre. In freier Natur steht die Sonne meist nur für kurze Zeit direkt über uns, und wir schützen uns durch Blinzeln instinktiv davor, nicht länger hin zu blicken. Wir sollten uns also auch unsere Leuchten nicht so positionieren, dass wir direkt das Leuchtmittel ansehen. Im Freien fällt das Licht meist seitlich ein oder, wie an einem wolkigen Tag, gestreut. Das bedeutet, dass Tischleuchten, Stehleuchten und indirekte Beleuchtung eher unseren Sehgewohnheiten schmeicheln als eine zentrale hoch hängende, grelle Allgemeinbeleuchtung.

Ich würde sogar so weit gehen, diese im Wohnbereich nur einzuschalten, während man arbeitet. Mehrere im Raum verteilte Leuchten schaffen immer eine angenehmere Atmosphäre. Bei Pendelleuchten gilt die Faustregel, dass sie möglichst tief hängen sollten. Ideal ist dimmbares Licht, um die Helligkeit regulieren zu können. Seit Jahrtausenden versammeln sich die meisten Menschen gerne ums Licht. Wer keine offene Feuerstelle sein eigen nennen kann, findet möglicherweise bei Wandkaminen eine erschwingliche und durchaus ansehnliche Alternative. Und was wäre die Welt ohne Kerzen? Für mich wie das 21. Jahrhundert ohne Bücher, nach wie vor unvorstellbar!1+2

Verpass´ der Raumatmosphäre einen neuen Anstrich

Manchmal reicht schon ein einziger Eimer Farbe und ein freier Nachmittag, um die Stimmung eines Raumes völlig zu verändern. Wandfarben haben eine besonders starke Wirkung auf die Atmosphäre eines Raumes. Das bedeutet nicht, dass wir alle Wände kunterbunt streichen müssen. Ich wage jedoch zu bezweifeln, dass vier weiße Wände das Maximum an Atmosphäre darstellen. Bewusst eingesetzte Farbgestaltung kann die Raumatmosphäre in den meisten Fällen deutlich aufwerten.

Vielleicht wagst du dich auch zuerst an ein paar farbige Accessoires als Akzent? Falls eine ruhige Gesamtwirkung für dich das Richtige ist, könntest du auch mit sanften aber stimmungsvollen Hintergrundfarben arbeiten. Es gibt unzählige Farbtöne, die viel zurückhaltender wirken als reines Weiß. Wenn du aber der Meinung bist, dass Blickfänge auffallen dürfen, dann könntest du mit einer stark farbigen Akzentwand ein Statement setzen. Oder du lässt der Emotion ganz freien Lauf und streichst alle Wände farbig, vielleicht sogar in unterschiedlichen Tönen?  Versuch es doch einfach mal, anstatt dich mit Standardweiß zu begnügen. Wenn es dir wirklich nicht gefällt, kommt bestimmt nochmal ein verregnetes Wochenende, an dem du alles wieder überstreichst.2

Stell´ deine Möbel um, und schon hast du eine neue Atmosphäre

Proportionen beeinflussen die Atmosphäre eines Raumes sehr stark. Die wenigsten von uns bewohnen Räume, die unseren Idealvorstellungen entsprechen. Doch auch unsere Einrichtung hat starken Einfluss auf die Gesamtwirkung. Auch wenn es kein Budget für Veränderungen gibt, ist es erstaunlich, wie sich die Wirkung verwandeln kann, wenn du Möbel umstellst. Ist deine Möbelanordnung wirklich schon optimiert? Muss immer das ganze Mobiliar entlang der Wände aufgestellt sein? Wie wäre es, einen Schreibtisch oder Armlehnstuhl etwas schräg in den Raum zu rücken? Schon mal Möbel von einem Raum in einen anderen gestellt? Vielleicht ist der Stuhl oder Hocker im Schlafzimmer auf den du abends deine Kleidung legst viel zu schade, um unter einem Klamottenberg zu verschwinden und würde im Flur viel besser zur Geltung kommen? Und der übervolle Kleiderständer mit viel zu vielen Jacken könnte beispielsweise galant hinter dem Schlafzimmerkleiderschrank verschwinden…

Eine gute Atmosphäre braucht nicht immer viel Dekoration

Manchmal ist weniger einfach mehr. Wie viele Dinge bevölkern deine Wohnung, die du nicht brauchst und dir auch nichts etwas bedeuten? Wie viel Dekor ein Raum braucht, ist sicher sehr unterschiedlich. Empfehlenswert ist, sich hier auf dein Gefühl zu verlassen. Wenn du nicht alleine wohnst, solltest du auch auf deine Mitmenschen Rücksicht nehmen. Machst du das wirklich? Vielleicht ist es ein guter Kompromiss, einige Dinge in einen weniger präsenten Bereich umzuräumen? Ganz asketisch wollen jedoch die wenigsten leben. Ich bin der Meinung, bewusst gewählte Dekoration schafft Atmosphäre, weil wir dadurch ein Stück von uns preisgeben, und Menschen lieben nun mal Persönlichkeit.3

Nutze unterschiedliche Materialien, um die Atmosphäre zu verändern

Schon Kleinigkeiten können die Raumanmutung stark verändern. Wie wäre es mit zwei unterschiedlichen Vorhanggarnituren? Etwas Lebendigeres und etwas Zurückhaltendes oder luftig transparenten und schwereren Vorhängen? Vielleicht fühlt es sich auch gut an, wenn du die Kissenbezüge am Sofa tauschst, sobald es kälter oder wärmer wird? Für die wärmere Jahreszeit mag ich kühles Leinen, schlichte Baumwolle oder andere glatte Stoffe gerne. Im Winter geht für mich nichts über Wollstrick, Filz, Samt, Bouclé oder auch (Kunst)Fell. Ich bin auch ein Fan von Wendehüllen. Zur Zeit bieten viele Hersteller Kissen mit zwei unterschiedlichen Materialien an. Im Handumdrehen ergeben sich so unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten. Wer handwerklich geschickt ist, näht sich auch ruckzuck ein paar Kissen selbst. (Da könnte man zum Beispiel den unabsichtlich geschrumpften Kaschmirpullover, in den man nicht mehr passt, gut wiederverwenden).4

Atmosphärische Klänge

Ich kenne niemanden, der seinen Lieblingsort als hallend beschreiben würde. Textilien sind ideal geeignet, um Schall zu schlucken. Wenn du es jedoch puristischer magst, könntest du auch einfach Filz unter Tische und Regalbretter kleben. Diesen Trick nutzen viele Restaurants. Totale Stille kann allerdings auch drückend sein. Über Musik kann man sich streiten. Ich habe einmal als Visual Merchandiserin in einem Laden gearbeitet, in dem sich die Musik alle 42 Minuten wiederholt hat. Das ist Jahre her, aber mir stellt es immer noch die Haare auf, wenn ich jetzt manche dieser Songs zufällig höre. Nur bei einem kann ich immer noch mitpfeifen.

Für etwas Vogelgezwitscher oder das sanfte Rauschen eines Baches können sich vielleicht mehr Menschen begeistern als Fahrstuhl-Chillout-Sounds. Wer nicht am Waldrand wohnen will, kann gerne auch digitale Naturklänge streamen. Und ja, ich kenne auch Menschen, die manchmal mit Freude dem Knistern des Bildschirmschonerfeuers lauschen. Aber Klang kann noch viel subtiler sein. Hast du schon einmal ein Material wegen dem Geräusch, wenn du es berührst, gekauft oder nicht gekauft? Mich hat beispielsweise das Geräusch des Bodens in meiner derzeitigen Mietwohnung deprimiert, wenn ich darüber gelaufen bin. Ein großer Teppich war die Erlösung für meinen Gehörsinn. (Nebenbei bereitet er auch visuell Freude und dämmt ein wenig die aufsteigende Kälte des unter mir liegenden Kellers.)

Richtig lüften ist essenziell für eine gute Atmosphäre

So banal es klingt: Lüftest du richtig? Wer tritt schon gerne in einen Raum mit abgestandener Luft ein? Notorischen Kipplüftern sei jedoch ans Herz gelegt, dass es weder dem Raumklima noch der Umwelt zuträglich ist, wenn ihr bei gekipptem Fenster heizt. Es reicht meist vollkommen, einen Wohnraum ein- bis zweimal pro Tag bei vollständig geöffneten Fenstern für etwa zehn Minuten zu lüften. Selbstverständlich hängt das auch von der Raumgröße und anderen Faktoren ab. Ein gut besuchtes Klassenzimmer braucht sicher öfter einen Luftaustausch. Trotzdem meine Bitte: Liebe Frischluftfanatiker, geht doch einfach mal eine halbe Stunde spazieren und schont eure Nackenmuskulatur vor Dauerzugluft. So schnell erstickt man nicht. Wobei ich euch zugestehen muss, dass sich frische Luft schneller erwärmt als verbrauchte…

Wie schaffst du Atmosphäre? Feel free to leave your comment!

Wenn du tiefer in die Materie einsteigen willst, hier meine Leseempfehlung:

1 Benad, Martin: Farbgestaltung Innenraum, DVA, München, 2010 S. 10ff.
2 Conran, Terence: Colour, Die passenden Farben für jeden Raum, DVA, München, 2015, S. 29ff.
 3 Zimmer, Juliane; Zuber, Anne: Schöner Wohnen, Das große Wohnbuch, Callwey, München, 2014, S. 38
4 Neß, Ilex: Farbe! Das große Farbwohnbuch, Callwey, München, 2009, S. 148ff.
5 http://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/richtig-lueften-schimmelbildung-vermeiden [01.07.2017]

Alina Schartner

Kommentar verfassen

FREUDE AM BLOG DER FARB_BERATERIN? DU KANNST DIE INSPIRATION GERNE TEILEN!

%d Bloggern gefällt das: